Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius Gussakovskij, 1934)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen Druckansicht

Diagnose

Körperlänge: bis 26 mm.

Kopf: schwarz mit gelblich-grauer Behaarung.

Thorax: schwarz mit gelblich-grauer Behaarung. Männchen mit schwarzen Beinen, Weibchen mit teilweise rot gefleckten Beinen, besonders die Vorderbeine.

Gaster: die drei vorderen Segmente (teilweise) orange, alle weiteren schwarz.

Ähnliche Arten: Der kompakte Körperbau, die helle Behaarung und die roten Vorderbeine machen die Weibchen unverkennbar. Lediglich die etwas kleineren Männchen könnten zu Verwechslungen Anlass geben, sind aber ebenfalls wegen der hellen Körperbehaarung im Gelände eindeutig bestimmbar.

Gesetzlicher Schutz und Rote Liste

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Merkmale

Verbreitung

Das Verbreitungsareal dieser wärmeliebenden Art verläuft vom westlichen Mediterrangebiet zwischen dem südlichen Mitteleuropa und Nordafrika bis Zentralasien. Weit abgetrennt davon existiert eine punktuelle Population auf der Ostseeinsel Gotland.

Lebensweise

Die Flugzeit der Heuschreckensandwespe erstreckt sich von Ende Juni bis Anfang September.
Die Art lebt solitär - andererseits legen die Weibchen gerne ihre Bauten an günstigen Stellen in Aggregationen mit zehn bis fünfzehn Einzelnestern an. Es handelt sich dabei immer um vollsonnige Offensandhabitate mit äußerst schütterem Pflanzenbewuchs. Der offen bleibende Gang mündet in ca. 15 cm Tiefe in die Brutkammer. In der näheren Umgebung der Brutplätze müssen sich blütenreiche Staudenfluren für die Eigenversorgung mit Nektar befinden. Sphex funerarius ist ein häufiger Blütenbesucher. In Nordostsachsen lässt sich die Art sehr gut durch Kontrolle des Sandthymians (Thymus serpyllum) nachweisen.
Zur Ernährung der Brut werden Langfühlerschrecken mittels Stich in die Ganglien des Zentralnervensystems gelähmt, danach in der Brutkammer abgelegt und mit einem Ei versehen. Jede Kammer wird nach Angebot und Bedarf mit 2-5 Beutetieren versorgt und dann verschlossen. Damit endet die Brutfürsorge für das Weibchen und es wendet sich einer neuen Kammeranlage zu.
Die Larve schlüpft nach 3-4 Tagen und ernährt sich für knapp drei Wochen vom lebenden Proviant. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Beutetiere während dieser Zeit bis zu ihrer nahezu vollständigen Entkernung vitale Reaktionen zeigen. Nach der Fressphase spinnt sich die Larve zur Überwinterung in einen mehrschichtigen, sehr widerstandsfähigen Kokon ein.

Lebensräume

Die Heuschreckensandwespe besiedelt an ihrer nördlichen Arealgrenze nur extrem wärmebegünstigte Trockenbiotope wie feinsandige Silbergrasfluren, die den ganzen Tag der vollen Sonne ausgesetzt sind. Im näheren Umfeld müssen blütenreiche Staudenfluren mit Armeria longifolia, Centaurea stoebe, Jasione montana, Pseudolysimachion spicatum oder Thymus serpyllum vorhanden sein. Solche Strukturen finden sich insbesondere auf den ausgedehnten nordsächsischen Heidegebieten und Truppenübungsplätzen. Zahlreiche Beobachtungen erfolgten auch an Origanum vulgare.

Bestandssituation

Die Heuschreckensandwespe wurde nach 82 Jahren Abwesenheit 2006 wieder für Sachsen bestätigt (Sobczyk & Burger 2008). Zahlreiche Nachweise aus Nord- und Mittelsachsen dokumentieren ausreichend stabile, reproduzierende Populationen.
Obwohl die Art schon immer starken Populationsschwankungen unterlag, ist ihre dauerhafte Etablierung in Sachsen unter den gegenwärtigen klimatischen Bedingungen sehr wahrscheinlich. Wichtigste Voraussetzung dafür wäre die Erhaltung ihrer hochspeziellen Lebensräume, die leider immer noch als „nutzlose Ödländer“ durch Umwidmung und Überbauung gefährdet sind.

Literatur

  • Beutler, H., D. Beutler & W.-H. Liebig 2011: Wiederfund der Heuschreckensandwespe, Sphex funerarius Gussakovskij, 1934 in Brandenburg mit Anmerkungen zur Biologie und zum Verhalten (Hymenoptera, Aculeata: Schecidae s. str.) – Märkische Entomologische Nachrichten 13 (1): 23–34, Potsdam.
  • Fabre, J,-H. 1879: Erinnerungen eines Insektenforschers, I. – Übersetzung von Friedrich Koch, 2010. – Matthes & Seitz Berlin, 291 S.
  • Köhler, G., J. D. Hochstetter, F. Creutzburg & M. Jessat 2020: Beobachtungen zur Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius Gussakovskij, 1934) in Thüringen. – Mauritania 38: 1–21.
  • Liebig, W.-H. 2010: Nachtrag zur Stechimmenfauna der Muskauer Heide (Hymenoptera: Aculeata). – Sächsische Entomologische Zeitschrift 5 (2010): 7–30.
  • Sobczyk, T. & F. Burger 2008: Sphex funerarius Gussakovskij, 1934 (Hymenoptera, Sphecidae s. str.) wieder in Sachsen. – Entomologische Nachrichten und Berichte, 52: 181–183.
Autor(-en): Wolf-Harald Liebig, Matthias Nuß. Letzte Änderung am 07.09.2021

Männchen der Heuschreckensandwespe in der Gemarkung Hohenprießnitz, Juli 2016
(© Michael Happ)


Heuschreckensandwespe mit reichlich Pollen auf dem Körper. Beachte die schwarzen Beine des Männchens. Halbendorf/Spree, 18.07.2020
(© Benjamin Franke)


Grabende Heuschreckensandwespe. Deutlich zu sehen sind die teilweise rot gefärbten Beine des Weibchens. Meißen, Juni 2019
(© Michael Braune)


Ein Weibchen von Sphex funerarius ist soeben mit Beute (Metrioptera roeselii) in der Nähe des Nestes gelandet. Der Rest des Weges wird zu Fuß zurückgelegt.
(© Wolf-Harald Liebig)


Weibchen von Sphex funerarius mit Beute, Luftbad Spaar in Meißen, Juni 2016
(© Stefanie Wetzel)


Die Beute (Metrioptera roeselii) wird an den Fühlern zum Nesteingang geschleppt.
(© Wolf-Harald Liebig)


Immer wird die Beute vor dem Nesteingang abgelegt. Danach schlüpft das Weibchen hinein, dreht sich in der Brutkammer und zieht die Heuschrecke blitzschnell hinein.
(© Wolf-Harald Liebig)
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